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Eine seltene Potenzstörung

G. Flatau

1914 · DOI: 10.1055/S-0029-1190295
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Abstract

Aus der Fähigkeit zur Erektion, welche die Immissio penis ermöglicht, und der Ejakulation, c ie zu dem Orgasmus in bestimmten, noch zu erörternden Beziehungen steht, setzt sich das zusammen, was man als Potentia coeundi bezeichnet. Störungen der Potenz sind für gewöhnlich solche, die sich auf die Erektionsfähigkeit beziehen. Nun sind aber auch Fälle beschrieben, bei denen die Störung auf dem Gebiete der Ejakulation lag. Einen solchen hat z. B. Lissmann in dieser Wochenschrift (1913 S. 999) beschrieben: Es handelt sich da um einen 4øjährigen Herrn, bei dem im Beginn der Ehe eine gewisse Erektionsschwäche bestand ; diese war aber vollkommen gewichen, dagegen fehlte beim Coitus völlig die Ejakulation. Daß das nicht etwa am Fehlen des Spermas lag, bewies das Vorkommen von Pollutionen des achts und der Abgang von normalem Sekret bei Masturbation. Auch bei genauer Untersuchung fanden sich keine örtlichen Verinderungen oder Zeichen eines organischen Nervenleidens. Fälle wie diesen als Aspermatismus zu bezeichnen, geht nicht gut an. Das Sperma fehlt j a nicht, sondern es erscheint nur nicht im gegebenen Augenblick oder vielmehr bei der physiologischen Gelegenheit, während es bei Masturbation und bei Pollutionen erscheint. Für solche Fälle paßt eher die Bezeichnung: ejakulatorische Impotenz. Allerdings erklärt auch dieser Name nichts, er sagt nichts über die Ursache aus; wir werden noch sehen, daß sehr verschiedene Formen, die sich auch durch die Aetiologie unterscheiden, möglich sind. Ich beschreibe zunächst einen Fall meiner Beobachtung: Der 24 jährige Bureaugehilfe S. klagte bei der ersten Beratung über eine Störung, die er selbst als Impotenz bezeichnet: er gibt an, daß es ihm noch niemals gelungen sei, beim Geschlechtsverkehr einen Samenabgang zu erzielen. Beim Coitus habe er zwar Erektion, diese sei auch von Dauer, sodaß eine Immissio möglich sei. Es komme aber niemals zur Ejakulation, obgleich die Erektion Dauer habe und starke Friktionen stattfinden. Ein richtiges Wollustgefühl mit Akme und Abfall hat er niemals gehabt. Die Libido ist erhalten. Bei Masturbation, die er früher nicht übermäßig betrieben hat, kommt es zu Samenerguß, ebenso bei libidinösen Träumen, die von Pollutionen begleitet sind. Patient ist ein großer, gesund aussehender Mann, er ist etwas reizbar und schreckhaft, neigt stark zum Erröten, die Kniephänomene sind lebhaft, Blasenbeschwerden bestehen nicht, Zeichen organischer Nervenerkrankung fehlen vollkommen, die Genitalien zeigen keine Anomalie. Offenbar ähnelt dieser Fall durchaus dem von Lissmann. Auch er kann nicht als Aspermatismus bezeichnet werden. Eine kurze Rekapitulation der für die Ejakulation in Frage kommenden physiologischen Vorgänge wird für die Auffassung der Fälle von Nutzen sein. Während die Samenbereitung im Hoden vor sich geht, findet kontinuierlich eine Fortbewegung des Samens in die Samenbläschen statt; wird alsdann reflektorisch eine Kontraktion der Samengänge und der muskulösen Wandungen er Samenbiasen angeregt, so wird aus diesen der Same herausgeführt (wahrscheinlich wirkt hierbei am kräftigsten die Kontraktion des Samenleiters, im Sinne einer Verkürzung der Wandungen); ist der Same dann in die Harnröhre gelangt, so wirkt die dabei erfolgende Dehnung als ein starker Reiz, der reflektorisch den Bulbocavernosus in Bewegung setzt Nunmehr erfolgt die Herausschleuderung. Die motorischen Fasern der Samenleiter entstammen dem vierten und fünften Lumbalnerven, die in den Grenzstrang des Sympathicus und von hier aus zu den Samenleitern treten; die motorischen Fasern für den Bulbccavernosus entstehen aus dem dritten und vierten Sakralsegment. Mit der Immissio beginnt eine Summation von Reizen, die allmählich zu einer Reizhöhe führt, welche mit dem Reiz, der durch den Eintritt des Spermas in die Harnröhre gesetzt wird, zusammentrifit und nun unter dem Gefühl stärkster Wollustempfindung die Ejakulation bewirkt. Es besteht keine völlige Einigkeit darüber, was man als Orgasmus zu bezeichnen habe. Meines Erachtens gehört zu diesem nicht der ganze wollusthetonte