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Deutungen häuslicher Gewalt von Betroffenen im Kontext normativer Bilder und gesellschaftlicher Erwartungshaltungen

Susanne Nef

2021 · DOI: 10.1007/s12592-021-00376-3
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Abstract

Im öffentlichen Diskurs, sozialpädagogischer Praxis und Gewaltforschung lässt sich feststellen, dass häufig von einer Essenz des Phänomens „Gewalt“ ausgegangen wird. Auch in der empirischen Forschung zu Gewalt in Paarbeziehungen wird zumeist a priori gesetzt, was darunter gefasst wird. Wie Betroffene das Erlebte selbst deuten, steht hingegen nur sehr selten im Fokus. Basierend auf einer qualitativen Studie wird daher der Frage nachgegangen, wie Personen, die häusliche Gewalt in Paarbeziehungen erfahren haben, die Gewalt und ihre Gewalterfahrungen deuten und wie diese Deutungen sozial hergestellt werden. Anhand einer theoretischen Modellierung wird aufgezeigt, dass Gewalt in Beziehungen nicht auf situative Dynamiken reduziert werden kann und nicht nur Gegenstand (körperlicher) Erfahrung ist, sondern im Zentrum von intersubjektiven Deutungs- und Aushandlungsprozessen steht, die sich u. a. an normativen Bildern und gesellschaftlichen Erwartungen orientieren. Vor diesem Hintergrund wird mit Blick auf die sozialpädagogische Forschungspraxis für den Zugang der verstehenden Gewaltforschung argumentiert.