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Zur Würdigung der Brown-Séquard'schen Behandlung der Impotenz1)

I. Zur,Behandlung der Impotenz,Von P. Färbringer

1891 · DOI: 10.1055/s-0029-1206708
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Abstract

Es sind genau zwei Jahre in's Land gegangen, seitdem Brown-Séquard der Pariser Société de Biologie die erste Mittheilung2) ilber ein eigenartiges Heilverfahren gemacht, das zunächst unsere westlichen Nachbarn in Staunen versetzte zu einer Zeit, in welcher der Name des Vortragenden als eines hervorragenden und anerkannten actuellen Vertreters der Physiologie von aller Welt hochgehalten wurde. Die beim Manne durch subcutane Injectionen einer aus frischen Tliierhoden gewonnenen Flüssigkeit hervorgerufenen Wirkungen sind es gewesen , welche den Hauptinhalt des Vortrages ausmachten. Brown-Séquard geht von den Folgen der Castration bezw. der Eunuchenschwäche, des weiteren von dem Einfluss aus, welchen die Masturbation, der übermässige Coitus, die Spermatorrhoe auf die Organisation der Männer übt, und steht nicht an, von diesen thatsächlichen Wirkungen auf die Existenz eines im Sperma enthaltenen wirksamen Princips zu schliessen. Dieses letztere soll durch Resorption in's Blut eintreten und grosser krafterzeugender Macht fähig sein, wie ja der abnorme Zustand der Anregung der geschlechtlich Enthaltsamen erweise. In dieser Deduction fällt zunächst eines auf: der Rückgang zu der veralteten, unserer Ueberzeugung nach widerlegten Lehre von der Rolle, welche der Verlust des Spermas als solcher spielen soll, und die vollständige Uebergehung des heutzutage anerkannten Axioms von der unheilvollen Rückwirkung der gehäuften geschlechtlichen Erregung insbesondere des Orgasmus auf das Nervensystem. So soll denn auch die Schwäche der alten Miinner wesentlich von der verminderten Thätigkeit der Keimdrüsen abhängen, was Brown S é qn ard veranlasst hat, verschiedene Hodenextracte junger Thiere in das Blut alter Hunde und Kaninchen zu injiciren. Da die erzeugten guten" Wirkungen charakterisirt werden sie nicht keinen Zweifel übrig liessen, entschloss sich der Experimentator, Versuche am -Manne vorzunehmen und mit seiner eigenen, nunmehr 72 jährigen Person zu beginnen. Er wählte subcutane Injectionen von je 1 ccm der 3-4 fachen wässrigen Verdünnung des Hodenvenenbiutes da die Samendrüse nach seiner Anschauung die Zusammensetzung des Blutes gleich Nieren und Leber beeinflusst , des Samens und des Gewebssaftes der Hoden von Hund und Meerschweinchen. Zehn solcher innerhalb dreier Wochen applicirter mehr weniger localen Reiz bedingender 'Einspritzungen äusserten nun bei dem an Erschöpfungszuständen, Rumination und Muskelrheumatismus leidenden, im übrigen aber gesunden Greise der Hauptsache nach folgende günstige Wirkungen. Die bedenklichen Schwächezustände machten einem Kraftmaass Platz, wie es Brown-Séquard kaum 20 Jahre zuvor besessen. Zum Staunen seiner Assistenten vermochte er wieder stundenlang stehend zu arbeiten, über schwierige Gegenstände zu schreiben, die Treppen emporzueilen. Der Dynamometer wies einen betrachtlichen Zuwachs von Muskelkraft auf, der Urinstrahi wurde, wie eigene Messungen ergaben, länger und kräftiger, nicht minder die Defäcation. Alle diese Aeusserungen der Kräftigung der Thätigkeit der Nervencentren, insbesondere des Rückenmarks hielten nach dem Aussetzen der Behandlung 4 Wochen an, um dann der früheren Schwäche zu weichen.