Eigenpsychisches und Fremdpsychisches: Rudolf Carnaps Verhältnis zur Psychologie zwischen 1928 und 1932
U. Feest
Abstract
Carnaps Werk zwischen den spaten 1920er- und fruhen 1930er-Jahren nimmt verschiedentlich auf Begrifflichkeiten und Debatten der philosophischen und experimentellen Psychologie seiner Zeit Bezug. Diese Bezugnahmen sind jedoch nicht immer konsistent oder explizit. Beispielsweise bedient Carnap sich sowohl im Aufbau (1928) als auch in seinen Ausfuhrungen zur Psychologie in einer physikalischen Sprache (1932) einiger Grundannahmen der experimentellen Psychologie (speziell der Psychophysik und der psychophysikalisch vorgehenden Gestaltpsychologie), fuhrt dies jedoch nicht konsequent zu Ende. Umgekehrt sieht er seine Auffassungen zur Physikalisierung der psychologischen Sprache nicht zuletzt auch als potenzielles Korrektiv fur die existierende Psychologie seiner Zeit, was bei dem Gestaltpsychologen Carl Duncker auf Unverstandnis stost. In dem vorliegenden Aufsatz belege ich meine These von Carnaps spannungsvolle Verhaltnis zur Psychologie und versuche, dieses Verhaltnis historisch und systematisch einzuordnen.
